Aus: Leo Mazakarini
Zwei Bildhauer namens Kedl:
Rudolf (Vater) und Talos (Sohn)


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Talos Kedl hatte sich bereits in seinen Gymnasialjahren mit der Magie des künstlerischen Materials sehr 'handgreiflich' auseinanderzusetzen: Mit vierzehn erlernte er vom Vater die Techniken der Metall- und der Steinbearbeitung: er trieb, schweißte, patinierte; er lernte, Hammer und Meißel handzuhaben. Doch nach Matura und Präsenzdienst schien sein Leben einen anderen Lauf zu nehmen: er inskribierte an der Wiener Wirtschaftsuni und pendelte dort so lange wie freudlos studierend zwische buchhalterischen und anderen ökonomischen Fragestellungen, bis ihm bewusst wurde, wo er seine eigentlichen Wurzeln und seine eigentliche Aufgabe zu finden hatte: in der bildenden Kunst.
Talos Kedl setzte also dort ein, wo er fünf Jahre zuvor aufgehört hatte: die von ihm handwerklich beherrschte Technik des Kupfertreibens und seine seit früher Kindheit geübte Tätigkeit, den Geheimnissen des Spiels von Licht und Schatten nachzuspüren, führten ihn dazu, Metallobjekte zu gestalten und diesen durch sensibel gesetzte Lichtquellen gleichsam eine vierte Dimension zu verleihen. Diese Werke beeidrucken den sensibilisierten Beschauer nicht nur durch ihre magische Maskenhaftigkeit und ihren Reichtum an archaischen Vegetationsformen. Besondere Kraft und Ausstrahlung entwickeln diese Werke, weil sie auf höchst raffinierte Weise 'mit dem Licht umgehen' bzw. 'von diesem umgangen' werden. Die Arbeiten des Talos Kedl nehmen ihre künstlerische Inspiration aber nicht nur aus dem Mikrokosmos und Makrokosmos der Natur, sondern auch aus alten Mythen, aus tradierten Legenden, diese alle in die Gegenwart, in eine offene Zukunft projiziert. Eine unmittelbare Begegnung mit diesen gleichsam auf Urtypen reduzierten

 


Kunstwerken bewirkt im Rezipienten Vertrautes ebenso wie Fremdes; und seltsamerweise sind das auch immer wieder zwingende Begegnungen des Betrachters mit sich selbst.
Erste Ausstellungen folgten - in Galerien in Wien, Hamburg, Stuttgart und München, in Kärnten, in Salzburg - und natürlich im Burgenland. Die Presse begann, sich mit dem Werk des jungen Talos Kedl auseinanderzusetzen. Der Wiener 'Kurier' schrieb von seinen 'mystisch-geheimnisvollen Schattenspielen', das Fernsehen brachte ein Künstlerporträt.
Ich selbst kenne den Weg des Talos Kedl seit seinen Anfängen und lese auch aus diesem ab, dass der Künstler ein wahrhaft Suchender war und geblieben ist. Seine Werke teilen sehr viel von dem mit, was was in Kedl wirkt und ist. Die pannonische Umwelt, in der Talos aufgewachsen ist und die ihn geformt hat, hat ihn stets vor dem intellektuell-artifiziellen Manierismus mancher Avantgarde-Künstler bewahrt; Kedl schöpft aus Primärquellen, aus den Geheimnissen der Natur. Aus seiner Erdverbundenheit, aus seinem Wissen, dass dieser Welt künstlerisch beizukommen die Reflexion der Schöpfungsmittel ist. Es ist dies eine sehr unmittelbare, sehr imaginative, sehr subjektive, sehr persönliche Kunst - ohne jede Koketterie, ohne Kompromisse, und ohne den Blick in einen 'Zeitgeist'. (...)"

Aus: "Pannonia: Magazin für internationale Zusammenarbeit" Jubiläumsausgabe, Winter 2001/2002

Professor Leo Mazakarini ist
Verleger und Autor

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